ICH KANN DAS ALLEIN

ICH KANN DAS ALLEIN

Am Anfang machen wir alles für sie.

Wir ziehen ihnen die Schuhe an. Helfen beim Essen. Halten ihre Hand beim Laufen. Heben sie hoch, wenn etwas noch zu weit oben ist.

Und irgendwann kommt dieser Satz:

„Ich kann das allein.“

Vielleicht beim Anziehen der Jacke. Beim Einschenken des Wassers. Beim Klettern auf dem Spielplatz.

Und obwohl wir genau darauf gewartet haben, fühlt es sich plötzlich ein bisschen komisch an.

Denn eigentlich verbringen wir einen grossen Teil der ersten Jahre damit, unseren Kindern beizubringen, uns immer weniger zu brauchen.

Wir freuen uns über den ersten Schritt.

Darüber, dass sie plötzlich selbst mit dem Löffel essen können, auch wenn danach die Hälfte auf dem Boden liegt.

Wir zeigen ihnen, wie man Schuhe anzieht, eine Treppe hinuntergeht oder den Reissverschluss der Jacke schliesst.

Und jedes Mal werden sie ein kleines bisschen selbstständiger.

Genau das wollen wir.

Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen man am liebsten sagen würde:

Lass mich noch einmal helfen.

Nicht, weil sie es nicht können.

Sondern vielleicht, weil wir noch nicht ganz bereit dafür sind, dass sie es können.

Das ist wohl eine dieser merkwürdigen Seiten des Elternseins.

Man ist unglaublich stolz darauf, sie wachsen zu sehen und würde gleichzeitig manchmal gerne die Zeit für einen Moment anhalten.

Denn aus „Hilf mir“ wird irgendwann „Ich kann das allein“.

Aus der kleinen Hand, die automatisch nach unserer greift, wird eine, die loslässt und vorausläuft.

Und wahrscheinlich soll es genau so sein.

Unsere Aufgabe ist nicht, jeden Schritt für sie zu gehen.

Unsere Aufgabe ist es, lange genug neben ihnen zu gehen, bis sie sich trauen, die nächsten Schritte selbst zu machen.

Und wenn sie sich dann umdrehen, weil sie doch noch einmal unsere Hand brauchen?

Dann sind wir da.

Vielleicht bedeutet Loslassen nämlich gar nicht, weniger gebraucht zu werden.

Vielleicht verändert sich einfach nur die Art, wie sie uns brauchen.

Also lass sie ausprobieren.

Lass sie scheitern.

Lass sie stolz zurückrufen:

„Schau mal, ich kann das allein!“

Und auch wenn es manchmal ein kleines bisschen weh tut:

Sei stolz.

Denn genau dafür haben wir ihre Hand die ganze Zeit gehalten.

Let them grow. Let them explore.
Let them be(e) Kidz. 🤎