Es ist spät.
Die Geschichte ist vorgelesen, das Licht gedimmt und eigentlich sollte längst Ruhe sein.
Man steht schon halb an der Tür.
„Bleib noch ein bisschen.“
Also setzt man sich wieder hin.
Manchmal wird noch etwas erzählt, das offenbar den ganzen Tag darauf gewartet hat. Manchmal kommt noch eine wichtige Frage. Und manchmal passiert gar nichts.
Man soll einfach nur noch ein bisschen dableiben.
Natürlich gibt es Abende, an denen man selbst müde ist. Die Küche wartet, irgendwo liegt Wäsche und eigentlich hätte man gerne noch ein paar Minuten für sich.
Und trotzdem sind es genau diese kleinen Momente, die irgendwann verschwinden.
Denn irgendwann möchte niemand mehr, dass wir am Bett sitzen bleiben.
Irgendwann lesen wir die letzte Gute-Nacht-Geschichte, ohne zu wissen, dass es die letzte war. Irgendwann wird aus „Bleib noch ein bisschen“ einfach nur noch „Gute Nacht“.
Und das gehört zum Grosswerden dazu.
Aber heute noch nicht.
Also bleib noch ein bisschen.
Bis die Augen schwer werden. Bis die kleine Hand loslässt. Bis aus dem Erzählen leises Atmen wird.
Die Wäsche läuft nicht weg.
Die Kindheit schon.
Let them be(e) Kidz. 🐝